Dieser Artikel entsteht am Donnerstag 25.4. nachdem ich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch "Avengers: Endgame" gesehen habe. Er wurde nochmal überarbeitet nachdem ich am Sonntag den 28.4. das englische Original gesehen habe.

Ich werde im folgenden den Film hart spoilern und eigentlich auch davon ausgehen, dass du den Film bereits gesehen hast. YOU HAVE BEEN WARNED!


Insgesamt ist Endgame ein toller Film der als Abschluss von 20+ Filmen in 11 sehr gut funktioniert. Ich habe aber auch alle diese Filme meist mehrfach gesehen. Es wäre bestimmt interessant z.B. meine Eltern in den Film zu schleifen um zu sehen wie jemand ohne Vorkenntnisse den Film findet. Vor allem da die Avengers im Laufe des Films durch die Zeit reisen und Momente aus vergangenen Filmen besuchen könnte es sein, dass man dieses Vorwissen benötigt.

Ein Kumpel von mir meinte er würde dem Film eine 9,5/10 geben und nach dem zweiten Sehen würde ich dem zustimmen, davor hätte ich wohl eher eine 8,5 bis 9,0 vergeben. Ich kann nicht genau sagen ob es am Englischen lag oder daran das ich die Stellen die mich stören schon kannte und sie somit als nicht so gravierend empfand, vermutlich eine Mischung aus beidem.

 

Wenn wir schon bei den Dingen sind die mich gestört haben lass uns darüber reden.

Fangen wir an mit Thor. Thor ist wenn man sich das Ende von Infinity War anguckt ziemlich sicher der mächtigste der Avenger, abgesehen von Captain Marvel natürlich. Eventuell auch nach Scarlett Witch aber die ist zu diesem Zeitpunkt ja tot. Aber das genaue Powerranking ist für meinen Punkt auch nicht so wichtig. Vermutlich liegt es auch daran, dass ich selber eher vollschlank bin, aber die ganzen Dickenwitze gegen Thor gehen mir auf den Keks. Dickenwitze sind einfach und nicht besonders einfallsreich aber viel mehr stört mich das alle seine Freunde aussehen wie ein Haufen Arschlöcher. Wie gesagt Thor ist mächtig und in Infinity War sagt er auch etwas wie "Thanos ist nur der nächste Gegner den ich besiegen werde, wie tausende vor und nach ihm." Ich glaube Thor füllt sich zum ersten Mal so richtig machtlos und hat eine ausgewachsene Depression und alle um ihn herum machen sich nur über sein Gewicht lustig. Wir wissen natürlich nicht genau was in den fünf Jahren passiert die wir im Film nicht zu sehen bekommen, aber auch Natascha und vor allem Clint gehen nicht gerade gut mit ihrem Trauma um und keiner sagt was. Was natürlich auch seltsam ist Hawkeye hat haufenweise Menschen umgebracht (Kriminell oder nicht) und sobald er zurück ist ist eigentlich alles wie vorher.

Mein nächster Punkt ist Professor Hulk (Bruce Banners Verstand in Hulks Körper). Zeitsprünge sind ja eine vollkommen akzeptable Form der Geschichtenerzählung aber die Entwicklungen die in diesem Zeitsprung passieren sollten sich vorher ankündigen. Wir sehen Thor frustriert davon stapfen nachdem er Thanos getötet hat und wir sehen wie Clint seine gesamte Familie verliert, wenn wir sie fünf Jahre später wiedersehen erscheint ihre Entwicklung logisch. Mit neuen Fähigkeiten ist es schwieriger da zumindest ich das Gefühl habe, dass die verdient werden sollten. Aber auch das wäre ja möglich gewesen in Iron Man 3 steckt Pepper Potts zwischendurch in einem Iron Man Anzug und erhält sogar temporäre Superkräfte und am Beginn von Endgame sehen wir, dass Tony an einem eigenen Anzug für sie arbeitet. Es ist also eine logischer Entwicklung dieser Anzeichen wenn sie in der finalen Schlacht in dieser Rüstung auftaucht und mitkämpft. Für Professor Hulk bekommen wir nie solche Anzeichen. Seine größte Schwäche, dass er den Hulk nicht kontrollieren kann, wird ihm einfach genommen und lediglich mit zwei kurzen Sätzen erklärt. 

Was mich in der deutschen Version aber wirklich störte war der Frauenpower-Moment nachdem Spiderman Captain Marvel den Iron-Infinitygauntlet gibt. Ich hatte eine ganze Seite (handschriftlich) darüber verfasst. Mein Hauptproblem damit ist, dass er erzwungen wirkt und eigentlich unnötig ist. Wir haben in der gesamten Schlacht Momente in denen die Heldinnen zeigen wie Badass sie sind und Captain Marvel hat grade erst das feindliche Schiff zerstört als wäre es nichts. Die genauen Worte habe ich nicht mehr im Kopf aber im deutschen sagt Spiderman etwas wie "Wie willst es ganz alleine gegen all diese Feinde schaffen" und ich glaube Okoye sagt "Sie ist nicht alleine!". Im Englischen sagen sie ungefähr "How will you get there with all this enemys." und "She got help". Irgendwie füllte es sich für mich im Englischen besser an. Im Deutschen klingt es für mich als würde Spiderman, der bis eben noch in Embryonalstellung am Boden lag, bezweifeln das sie es alleine schaffen kann und im Englischen fragt er eher was sie tun wird um es zu schaffen. Ich weiß nicht ob ich es gut erklären kann, aber im Deutschen wirkte der männliche Charakter irgendwie herablassender. Aber vielleicht ist es auch nur, dass ich im Englischen schon wusste was mich erwartet.

Als letzten Punkt würde ich gerne kurz auf Captain Marvel eingehen. Warum taucht die erst so spät auf? Ich meine ich weiß warum, weil sie so Overpowered ist das es für die Schreiber einfacher war sie rauszulassen. Aber wieso nicht einfach einen Nebensatz einfügen, dass man sie nicht erreicht hat oder sie zu weit weg war. Das Universum ist groß und auch wenn Rocket und Nebula ebenfalls im Universum unterwegs waren, hätte ich die Erklärung akzeptiert.

Den Punkt das die Ratte of mega-plot-convenience Scott aus dem Quantumrealm befreit kommentiere ich mal nur mit diesem kleinen Strip von @Dorkly:

 

So auch wenn ich jetzt 600 Worte lang aufgezählt habe was mir nicht gefallen hat, sollte man daran wie klein diese Probleme sind sehen, dass der Film mir insgesamt sehr, sehr gut gefallen hat.

Ich hoffe du hattest genauso viel Spaß an dem Film wie ich.

Bis die Tage,

Leon

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Antoine de Saint-Exupery

Seit Ewigkeiten erzähle ich meinen Spielern, dass sie sich für ihre Charaktere eine Hintergrundgeschichte ausdenken sollen, da sie ansonsten nur sich selber spielen. Mir ist klar geworden, dass ich ihnen nie zu verstehen gegeben habe wofür sie das tun sollen.

Ich schaue jede Woche Critical Role, ein Stream in dem professionelle Schauspieler D&D spielen, ich habe gesehen wie belohnend eine Hintergrundgeschichte sein kann, meine Spieler haben das nicht. Ich überlege also aktuell wie ich ihnen vermitteln kann warum sie sich die Mühe machen sollten.

Eine Hintergrundgeschichte bietet mehrere Vorteile, der erste ist das man aktiv die Spielwelt gestalten kann. Natürlich haben die Charaktere während des Spielens auch Einfluss auf die Spielwelt, aber sie können nicht einfach mal ein Dorf erschaffen, eine Gottheit einführen oder ein Adelsgeschlecht etablieren. Mit der Hintergrundgeschichte sind das alles Möglichkeiten, aber ich kann verstehen wenn daran kein Interesse besteht, auch wenn ich als Spielleiter daran großen Spaß habe und eine Menge meiner Zeit damit verbringe.

Ein weiterer wäre das man tatsächlich seinen Charakter erkunden kann. Früher habe ich Rollenspiel erklärt in dem ich gesagt habe, dass es wie ein Computerspiel ist in dem der Spielleiter die Rolle des Computers übernimmt. Das stimmt allerdings nur wenn man Computerspiele so spielt wie ich: Immer wenn ich die Möglichkeit habe selber einen Avatar zu erstellen, benutze ich bewusst nicht mich selbst als Vorlage. Ich spiele in Videospielen eigentlich nie mich selbst sondern jemand anderes. Die meisten Leute spielen aber eher sich selbst.

Mittlerweile würde ich Rollenspiel anders beschreiben: Es ist Improvisationstheater in dem wir Würfel nutzen um uns beim Improvisieren zu helfen. Wenn man sich dem Rollenspielen vom Theater anstatt vom Videospiel nähert wird direkt klarer warum eine Hintergrundgeschichte Bedeutung hat. 

Es ist etwas was man wollen muss, wenn jemand einfach nur Würfel würfeln und Monstern auf die Fresse hauen möchte ist das auch ok, aber ich bin daran interessiert, dass die Charaktere eine Entwicklung durchlaufen können. Wenn man sich keine Hintergrundgeschichte überlegt projiziert man sich selber zu stark in den Charakter hinein. Ein solcher Charakter kann sich nicht ändern oder entwickeln, da die Spielerin sich immer fragt was würde ich in der Situation tuen nicht was würde mein Charakter in der Situation tuen, jede Entwicklung die der Charakter macht ist wenn eine die man vorher selber gemacht hat.

Ich habe Spaß daran, dass einschneidende Lebenserfahrungen sich auf den Charakter auswirken.

Aber mehr als anbieten kann ich es nicht, aber vielleicht kann ich jetzt meine Motivation dahinter erklären.

Disney möchte 2019 seinen eigene Streaming-Service Disney+ veröffentlichen. Ich habe meine Zweifel ob, dass wirklich ein kluger Move von ihnen ist.

Vor ein oder zwei Jahren bin ich von Spotify auf Apple Music umgestiegen. Einfach weil ich dort meine persönliche Musikmediathek besser mit der vom Dienst bereit gestellten verbinden kann, in meinem Fall vor allem die Titel der Bands "Rammstein" und "Die Ärzte", welche sich beide diesen Diensten verweigern (was eine valide Einstellung und durchaus verständlich sit).

Sowohl Apple Music als auch Spotify bieten ihren Nutzern ungefähr die selbe Mediathek und genau das ist mein Problem mit diesen Videodiensten. Amazon Prime, Netflix, Hulu, HBO Now und demnächst Disney+ haben alle unterschiedliche Videotheken. Es ist doch eigentlich der aktraktivste Aspekt eines solchen Services Zugriff auf möglichst ALLE Filme und Serien zu haben. Was Disney hier tut ist das eh schon auf mehrere Anbieter verteilte Angebot weiter auszudünnen. Es gibt bereits Anbieter die einem die verschiedenen Services durchsuchen um rauszufinden wo ein gewünschter Film oder eine Serie zu finden ist. 

Vielleicht bin das nur ich aber Entertainment ist nicht wie Müsli, wenn es ein Müsli nicht gibt nehme ich einfach ein anderes. Wenn es eine Serie oder einen Film nicht gibt gucke ich nicht einfach was anderes. Aber ein Abo für fünf verschiedene Anbieter möchte ich weder anschließen noch kann ich es mir leisten. Ich will nicht sagen, dass ich mir nicht legale Wege suchen werde diese Dinge zu gucken, aber ich denke das eine Menge Leute diese Option vorziehen werden.

Ich will auch keine fünf Seiten ansteuern müssen auf denen ich dann fünf verschiedene Favoritenlisten pflegen muss, im analogen Sinne wäre das wie wenn ich fünf Fernseher habe aber auf jedem läuft nur ein Sender.

Ich kann nicht sagen ob das ganze für Disney nach hinten losgeht, aber immer mehr Streamingplattformen mit unterschiedlichen Angeboten werden sich auf Dauer nicht durchsetzen. Ich möchte damit auf keinen Fall ein Monopol befürworten sondern die Möglichkeit für verschiedene Anbieter die selbe umfangreiche Videothek zu bieten.