Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Antoine de Saint-Exupery

Seit Ewigkeiten erzähle ich meinen Spielern, dass sie sich für ihre Charaktere eine Hintergrundgeschichte ausdenken sollen, da sie ansonsten nur sich selber spielen. Mir ist klar geworden, dass ich ihnen nie zu verstehen gegeben habe wofür sie das tun sollen.

Ich schaue jede Woche Critical Role, ein Stream in dem professionelle Schauspieler D&D spielen, ich habe gesehen wie belohnend eine Hintergrundgeschichte sein kann, meine Spieler haben das nicht. Ich überlege also aktuell wie ich ihnen vermitteln kann warum sie sich die Mühe machen sollten.

Eine Hintergrundgeschichte bietet mehrere Vorteile, der erste ist das man aktiv die Spielwelt gestalten kann. Natürlich haben die Charaktere während des Spielens auch Einfluss auf die Spielwelt, aber sie können nicht einfach mal ein Dorf erschaffen, eine Gottheit einführen oder ein Adelsgeschlecht etablieren. Mit der Hintergrundgeschichte sind das alles Möglichkeiten, aber ich kann verstehen wenn daran kein Interesse besteht, auch wenn ich als Spielleiter daran großen Spaß habe und eine Menge meiner Zeit damit verbringe.

Ein weiterer wäre das man tatsächlich seinen Charakter erkunden kann. Früher habe ich Rollenspiel erklärt in dem ich gesagt habe, dass es wie ein Computerspiel ist in dem der Spielleiter die Rolle des Computers übernimmt. Das stimmt allerdings nur wenn man Computerspiele so spielt wie ich: Immer wenn ich die Möglichkeit habe selber einen Avatar zu erstellen, benutze ich bewusst nicht mich selbst als Vorlage. Ich spiele in Videospielen eigentlich nie mich selbst sondern jemand anderes. Die meisten Leute spielen aber eher sich selbst.

Mittlerweile würde ich Rollenspiel anders beschreiben: Es ist Improvisationstheater in dem wir Würfel nutzen um uns beim Improvisieren zu helfen. Wenn man sich dem Rollenspielen vom Theater anstatt vom Videospiel nähert wird direkt klarer warum eine Hintergrundgeschichte Bedeutung hat. 

Es ist etwas was man wollen muss, wenn jemand einfach nur Würfel würfeln und Monstern auf die Fresse hauen möchte ist das auch ok, aber ich bin daran interessiert, dass die Charaktere eine Entwicklung durchlaufen können. Wenn man sich keine Hintergrundgeschichte überlegt projiziert man sich selber zu stark in den Charakter hinein. Ein solcher Charakter kann sich nicht ändern oder entwickeln, da die Spielerin sich immer fragt was würde ich in der Situation tuen nicht was würde mein Charakter in der Situation tuen, jede Entwicklung die der Charakter macht ist wenn eine die man vorher selber gemacht hat.

Ich habe Spaß daran, dass einschneidende Lebenserfahrungen sich auf den Charakter auswirken.

Aber mehr als anbieten kann ich es nicht, aber vielleicht kann ich jetzt meine Motivation dahinter erklären.

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